Qualifikationen von Verena Hubertz
Verena Ute Hubertz, geboren am 26. November 1987 in Trier, ist eine deutsche Politikerin der SPD, Unternehmerin und Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Merz (Stand Mai 2025). Ihre Qualifikationen und berufliche Laufbahn umfassen:
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Bildung:
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Abitur 2007 am Gymnasium Konz, Rheinland-Pfalz.
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Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier und der Hochschule Trier (Bachelor), gefolgt von einem Master of Science an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar, mit Fokus auf Unternehmensstrategie und Innovationsmanagement.
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Auslandssemester im MBA-Programm an der Vanderbilt University, Owen Graduate School of Management, Tennessee, USA.
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Berufliche Erfahrung:
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Erste Berufserfahrungen bei Lebenshilfe-Werken Trier, Vodafone, PricewaterhouseCoopers und Commerzbank während des Studiums.
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Arbeit am Lehrstuhl für Corporate Strategy and Governance an der WHU unter Thomas Hutzschenreuter.
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Gründung des Start-ups AJNS New Media GmbH (2013) mit Studienfreundin Mengting Gao, das die Kochplattform Kitchen Stories entwickelte. Hubertz war Geschäftsführerin, zuständig für Geschäftsentwicklung, Finanzen, Personal und Recht. Die Plattform erreichte über 20 Millionen Nutzer*innen und wurde 2017 zu 60 % von BSH Hausgeräte (Bosch-Tochter) übernommen. 2019 wurde sie als „Newcomerin des Jahres“ vom Kress Report ausgezeichnet. Sie gab die Geschäftsführung Ende 2020 auf, um für den Bundestag zu kandidieren.
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Politische Karriere:
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SPD-Mitglied seit 2009, motiviert durch den Kampf für den gesetzlichen Mindestlohn nach eigenen Erfahrungen in einem Nebenjob bei Burger King (ca. 6 Euro/Stunde). Erstes Amt: Kassenprüferin im SPD-Ortsverein Trier-Mitte/Gartenfeld.
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Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2021, gewann das Direktmandat im Wahlkreis Trier (2021: 5,3 % Vorsprung vor CDU). 2025 verlor sie knapp gegen den CDU-Kandidaten Dominik Sienkiewicz (0,5 %), zog aber über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag.
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Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion seit Dezember 2021, zuständig für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie, Bauen, Wohnen und Tourismus. Mitglied im geschäftsführenden Fraktionsvorstand und stellvertretendes Mitglied in den Bundestagsausschüssen für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, Wirtschaft sowie Tourismus.
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Teilnahme an Koalitionsverhandlungen: 2021 in der Arbeitsgruppe „Moderner Staat und Demokratie“ (Ampel-Koalition) zu Themen wie Planungsbeschleunigung und Wahlrecht; 2025 in der Arbeitsgruppe „Wirtschaft, Industrie und Tourismus“ (Große Koalition) unter Jens Spahn, Hansjörg Durz und Alexander Schweitzer.
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Mitglied der Organisationspolitischen Kommission des SPD-Parteivorstands, wo sie die Modernisierung der Partei vorantreibt. Mitgründerin der Initiative SPD++ (2017, mit Henning Tillmann), die eine jüngere, weiblichere und digitalere SPD fördert. Setzte Online-Themenforen, ein Debattencamp und einen Mitgliederbeirat durch.
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Mitglied des Treuhand-Aufsichtsrats der SPD (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH, Konzentration GmbH, Verwaltungsgesellschaft Bürohaus Berlin).
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Engagiert bei D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt e.V., das sich für digitale Politik einsetzt.
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Persönliches:
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Geboren als Tochter eines Schlossers und einer Gemeindereferentin, aufgewachsen in Lampaden und Konz, Rheinland-Pfalz.
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Begeisterte Joggerin, Fan des 1. FC Kaiserslautern, Hobbyköchin.
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Gilt als „politische Senkrechtstarterin“ mit unaufgeregter, lösungsorientierter Art. Ihr Antrieb: „Deutschland mit Mut und Tatendrang ein Stück besser machen.“
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Standpunkte von Verena Hubertz.
Hubertz ist bekannt für ihre pragmatische, sozialdemokratische Haltung, ihre Expertise in Wirtschaft und Bauen sowie ihren Einsatz für eine inklusivere SPD. Ihre Standpunkte, insbesondere zu Wohnen und Stadtentwicklung, umfassen:
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Wohnungsmarkt und Bauen:
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Bekämpfung der Wohnungskrise: Hubertz steht vor der Herausforderung, die Wohnungsnot in Metropolen zu lindern, wo bezahlbarer Wohnraum fehlt. Sie will die Zielvorgabe der Ampel-Koalition (400.000 neue Wohnungen pro Jahr), die unter Klara Geywitz scheiterte, wiederbeleben. Ihr Ziel ist es, durch schnellere Bauprozesse und mehr Förderprogramme den Wohnungsbau anzukurbeln.
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Mietpreisbremse und Mietenstopp: 2023 sprach sie sich für einen dreijährigen Mietenstopp aus, um Mieter*innen eine „Atempause“ zu verschaffen: „Wir wollen schneller bauen, aber auch bei den bestehenden Mieten brauchen wir eine Atempause.“ Sie unterstützt die Verlängerung der Mietpreisbremse, was in der Bau- und Immobilienlobby Skepsis auslöst.
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Stärkung des Bauministeriums: Hubertz soll das Ministerium mit mehr Kompetenzen ausstatten, z. B. durch engere Zusammenarbeit mit der KfW für Förderprogramme. Dies erfordert Verhandlungsgeschick mit dem Finanzministerium unter Lars Klingbeil.
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Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Als zuständige Fraktionsvize betonte sie die Verknüpfung von Wohnungsbau mit Klimaschutz, z. B. durch energieeffiziente Baustandards und Förderung nachhaltiger Stadtentwicklung.
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In einer Bundestagsrede am 10. September 2024 betonte sie die Bedeutung von Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen als soziale Aufgaben, die innovative Lösungen erfordern.
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Wirtschaft und Innovation:
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Unternehmerische Perspektive: Ihre Erfahrung als Start-up-Gründerin prägt ihre Politik. Sie will unternehmerische Dynamik in die Baupolitik einbringen, z. B. durch Digitalisierung und Planungsbeschleunigung.
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Mindestlohn: Ihr Eintritt in die SPD wurde durch den Kampf für den gesetzlichen Mindestlohn motiviert, inspiriert von Frank-Walter Steinmeiers Rede 2009. Sie sieht den Mindestlohn als Kern sozialdemokratischer Politik.
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Wirtschaftsförderung: In den Koalitionsverhandlungen 2025 setzte sie sich für Wirtschaft, Industrie und Tourismus ein, mit Fokus auf regionale Entwicklung und Innovation.
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Partei- und Organisationspolitik:
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Modernisierung der SPD: Durch SPD++ und die Organisationspolitische Kommission fordert sie eine vielfältigere, digitalere Partei. Sie setzte Online-Themenforen zu Umwelt und Europa, ein Debattencamp und einen Mitgliederbeirat durch, um Mitgliederbeteiligung zu stärken.
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Inklusion und Vielfalt: Hubertz will die SPD „durchlässiger“ machen, um junge Menschen, Frauen und diverse Gruppen einzubinden.
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Soziale Gerechtigkeit:
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Betont soziale Werte wie Chancengleichheit, inspiriert durch ihre Eltern, die ihr Solidarität und Engagement vorlebten.
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Unterstützt Maßnahmen wie den Mindestlohn, um prekäre Arbeitsverhältnisse zu verbessern, basierend auf eigenen Erfahrungen in Niedriglohnjobs.
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Kritik und Unterstützung.
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Unterstützung:
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Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, lobt sie als „freundliche und zugewandte Persönlichkeit“, die sich neuen Themen „offen und klug“ widmet. Die Wohnungswirtschaft bietet Unterstützung bei Fachfragen an.
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SPD-Parteichefin Saskia Esken und Ministerpräsident Alexander Schweitzer fördern sie als Teil des Generationswechsels. Ihre Verhandlungsfähigkeit in der Ampel-Koalition und ihre unternehmerische Erfahrung werden geschätzt.
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Auf X wird sie als „Senkrechtstarterin“ mit „digitalen Smarts“ und „bolden Ideen“ gefeiert, die die Wohnungsnot angehen könnte.
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Kritik:
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Die Bau- und Immobilienlobby zeigt Skepsis wegen ihrer Unterstützung der Mietpreisbremse und des Mietenstopps, die als investitionshemmend gelten.
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Ihre vergleichsweise kurze politische Erfahrung (seit 2021 im Bundestag) und der komplexe Bereich Wohnen, der „mehr als 100 Tage Einarbeitung“ erfordert, könnten eine Herausforderung darstellen.
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Auf X wird bemängelt, dass ihre Expertise als App-Gründerin nicht ausreicht, um die Baukrise zu lösen, und sie als „Newbie“ im Kabinett gesehen wird.
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Fazit
Verena Hubertz bringt als 37-jährige Betriebswirtin und Start-up-Gründerin (Kitchen Stories) eine ungewöhnliche Biografie und unternehmerische Dynamik in das Bauministerium. Ihre politische Erfahrung als stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende (seit 2021) und ihre Arbeit in den Bereichen Wirtschaft, Bauen und Wohnen qualifizieren sie für das Ressort, auch wenn ihre politische Karriere erst vier Jahre alt ist. Sie setzt sich für bezahlbaren Wohnraum, die Mietpreisbremse, nachhaltigen Wohnungsbau und die Stärkung des Bauministeriums ein, was in der Immobilienbranche Skepsis auslöst. Ihre Stärken liegen in ihrer Verhandlungsfähigkeit, ihrem digitalen Ansatz und ihrer Motivation, soziale Gerechtigkeit durch Mindestlohn und Wohnpolitik zu fördern. In der schwarz-roten Koalition muss sie die Wohnungsnot bekämpfen, Kompetenzen für ihr Ministerium sichern und die Erwartungen von SPD-Basis, Wirtschaft und Bürger*innen erfüllen, während sie Kritik an ihrer Einarbeitungszeit und ihrem Mietenstopp-Vorschlag abwehrt. Ihre Ernennung signalisiert den SPD-Generationswechsel und die Stärkung Rheinland-Pfalz im Kabinett.
