Der linke Terror ist allgegenwärtig
Was wäre eigentlich passiert, wenn man an einem frostigen Wintermorgen in Deutschland aufgewacht wäre, die Heizung tot, das Licht aus, der Kühlschrank warm – und kurz darauf hätte sich eine rechtsextreme Gruppe zu einem gezielten Angriff auf die Stromversorgung bekannt? Die Antwort kennen wir alle. Der mediale Ausnahmezustand wäre ausgerufen worden, Talkshows hätten Sonderschichten eingelegt, Politiker hätten sich gegenseitig mit Warnungen vor der „braunen Gefahr“ überboten und irgendwo zwischen Brandenburger Tor und Fußgängerzone hätte man Kerzen angezündet, um Haltung zu zeigen.
Doch die Realität sieht anders aus. In Berlin wurden zehntausende Haushalte und tausende Betriebe stunden- bis tagelang vom Strom getrennt. Mitten im Winter. Mitten in einer Großstadt, die sich gern als moralisches Leuchtfeuer Europas inszeniert. Nur: Die Täter kamen nicht von rechts. Und genau deshalb blieb das große Trommelfeuer aus.
Der Vorfall selbst ist schnell erzählt – und doch wird er in seiner Tragweite systematisch kleingeredet. In mehreren südwestlichen Berliner Stadtteilen fiel der Strom aus. Betroffen waren Wohngebiete ebenso wie Gewerbe, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, kleine Betriebe. Ursache war kein Sturm, kein technischer Defekt, kein unglücklicher Zufall. Es war Sabotage. Gezielt. Vorsätzlich. Mit Brandsätzen an einer zentralen Kabelbrücke. Wer das verharmlost, macht sich mitschuldig.
Sogar die Politik sah sich gezwungen, das Offensichtliche auszusprechen. Franziska Giffey, Berlins Wirtschaftssenatorin, bestätigte öffentlich, dass es sich um Brandstiftung handelte. Mehrere Hoch- und Mittelspannungskabel wurden zerstört. Eine Tat, die man in jedem Lehrbuch unter „Angriff auf kritische Infrastruktur“ einordnen würde. Also unter genau das, was Sicherheitsbehörden sonst gern als Worst-Case-Szenario beschreiben.
Und doch: kein Alarmismus, keine Sondersendungen, kein politischer Rundumschlag. Stattdessen technokratische Schlagzeilen, routinierte Formulierungen, eine Berichterstattung, die klingt, als habe sich ein Transformator verschluckt. Der politische Hintergrund? Wird nebulös gehalten. Das Bekennerschreiben? Bestenfalls als Randnotiz erwähnt. Der Begriff Terror? Offensichtlich zu scharf für diesen Kontext.
Dabei ist der Begriff keineswegs überzogen. Was ist Terror, wenn nicht der bewusste Versuch, durch Gewalt oder Sabotage Angst zu erzeugen und das alltägliche Leben massiv zu beeinträchtigen? Wer tausende Menschen bei Minusgraden ohne Strom und Heizung zurücklässt, nimmt Leid billigend in Kauf. Alte Menschen, die in kalten Wohnungen ausharren. Kranke, die auf elektrische Geräte angewiesen sind. Familien, die improvisieren müssen, weil nichts mehr funktioniert. Das ist keine symbolische Aktion, das ist kein „Protest“. Das ist brutale Realität.
In Berlin ist das leider kein Einzelfall. Anschläge auf Infrastruktur, Fahrzeuge, Baustellen oder Energieanlagen gehören seit Jahren zum Repertoire linker Extremisten. Nur werden sie medial behandelt wie ein lästiges Hintergrundrauschen. Man hat sich daran gewöhnt. Und genau das ist der Skandal.
Denn während bei jedem noch so abstrusen Verdachtsmoment aus dem rechten Milieu sofort das große moralische Besteck ausgepackt wird, gilt bei linken Tätern eine andere Grammatik. Da ist von „militanten Gruppen“ die Rede, von „Aktivisten“, von „Systemkritik“. Wörter, die verharmlosen, relativieren, entschärfen. Worte, die Distanz schaffen zwischen Tat und Konsequenz.
Natürlich wird dann reflexartig eingewandt, man müsse vorsichtig sein, solange die Urheberschaft nicht gerichtsfest bewiesen sei. Ein ehrenwertes Argument – wenn es denn konsequent angewandt würde. Doch wer ernsthaft behauptet, bei einem identischen Bekennerschreiben aus der rechten Szene hätten Medien und Politik genauso abgewartet, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann.
Die Wahrheit ist unbequemer: Linksextreme Gewalt passt nicht ins vorherrschende Weltbild. Sie stört die bequeme Erzählung vom „guten Kampf“ gegen das vermeintlich Böse. Also wird sie sprachlich entschärft, politisch relativiert und medial entsorgt. Unter „Vorkommnisse“, unter „Sachbeschädigung“, unter „ungeklärte Umstände“.
Besonders unerquicklich ist dabei die Rolle weiter Teile des Journalismus. Was hier betrieben wird, ist keine nüchterne Einordnung mehr, sondern selektive Empörung. Man berichtet, ja – aber so, dass niemand auf dumme Gedanken kommt. Kein Kontext, keine ideologische Einordnung, keine klare Benennung der Täter. Hauptsache, das Narrativ bleibt sauber.
Gleichzeitig offenbart der Vorfall ein weiteres, strukturelles Problem: den erbärmlichen Zustand der kritischen Infrastruktur. Dass es Tage dauern kann, bis ein einzelner Anschlag behoben wird, ist ein Armutszeugnis. Und es wirft unangenehme Fragen auf: Wie widerstandsfähig ist dieser Staat eigentlich noch? Wie gut geschützt sind Energie, Wasser, Kommunikation? Und warum scheint man erst dann nervös zu werden, wenn die Bedrohung aus der „falschen“ Richtung kommt?
Berlin, diese selbsternannte Hauptstadt der Vielfalt und Toleranz, steht sinnbildlich im Dunkeln. Nicht nur physisch, sondern auch geistig. Ein Staat, der Terror nicht Terror nennen will, wenn er nicht ins ideologische Raster passt, verliert seine Glaubwürdigkeit. Eine Öffentlichkeit, die das hinnimmt, verliert ihre Wachsamkeit.
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu erkennen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Es reicht, die Schlagzeilen zu vergleichen, die Wortwahl zu analysieren, die Empörungskurven zu beobachten. Wer das einmal gesehen hat, kann es nicht mehr ungesehen machen.
Und nein, es ist keine Lösung, resigniert die Schultern zu zucken und zu sagen: „War ja klar.“ Genau diese Müdigkeit ist es, auf die Extremisten bauen – egal aus welchem Lager. Die Normalisierung des Abnormen ist der erste Schritt in die falsche Richtung.
Was bleibt, ist das Bild einer Metropole, die im Kalten sitzt, während sich Teile der politischen und medialen Klasse an semantischen Nebelkerzen wärmen. Und eines Landes, das offenbar nur dann genau hinschaut, wenn es ins ideologische Drehbuch passt.
Das Licht ist ausgefallen. Die Heizung ist aus. Und der moralische Kompass? Der scheint schon länger defekt zu sein.
„hpbaltes.de“
frei verlinkt, kopiert und verteilt werden.
